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Barrierefreiheit auf dem Campus

Jeder Schritt zählt: Das Campusleben für alle zugänglich machen.

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Hintergrund des Projekts

Anfang 2024 erhielten alle Studierenden der RUB eine E-Mail der Universitätsleitung über einen defekten Aufzug an der Haltestelle Ruhr-Universität. Für viele von uns, die keine Mobilitätseinschränkungen haben, mag dies wie eine kleine Unannehmlichkeit erscheinen. Wenn ein Aufzug ausfällt, gibt es Alternativen wie Rolltreppen oder Treppen. Für Studierende im Rollstuhl stellt eine solche Panne jedoch eine erhebliche Herausforderung dar.

Aufzüge und barrierefreie Wege haben für Rollstuhlfahrer eine ganz andere Bedeutung. Stellen wir uns einmal vor: Was wäre, wenn es an der RUB keine funktionierenden Aufzüge gäbe? Wie könnten Rollstuhlfahrer dann aktiv am Unileben teilnehmen? Und welche Lösungen könnten ihre Inklusion verbessern?

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht diese Problematik: Um vom U-Bahnhof Ruhr-Universität zum HZO zu gelangen, müssen Rollstuhlfahrer den gelben Aufzug vor dem SH-Gebäude benutzen und eine Etage nach unten fahren. Anschließend führt der Weg über den Parkplatz zum unteren Eingang des HZO, wo sich der nächste Aufzug befindet.

Was aber, wenn der gelbe Aufzug ausfällt? In diesem Fall bleibt Rollstuhlfahrern oft nichts anderes übrig, als einen zeitaufwändigen Umweg über den U-Bahnhof Lennershof (die nächste Station nach der Ruhr-Universität) in Kauf zu nehmen.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, wie wichtig funktionierende Aufzüge und barrierefreie Infrastruktur für die Inklusion von RollstuhlfahrerInnen sind. Es unterstreicht auch die Notwendigkeit, innerhalb der RUB-Community ein stärkeres Bewusstsein für die Herausforderungen und Bedürfnisse von Studierenden mit Behinderungen - insbesondere von RollstuhlfahrerInnen - zu schaffen.


Eine stärkere Sensibilisierung und gezielte Maßnahmen könnten ihre Teilhabe am Campusleben deutlich verbessern.

disappointed student
union inclusion pic

Inklusion an der RUB: Die Inklusive Universität

In diesem Video geht es um die Barrieren an den Bordsteinkanten auf dem Campus.

Im Gegensatz zu Menschen ohne Behinderungen sind Menschen mit Behinderungen mit einer Vielzahl von Hindernissen konfrontiert - physischer, sozialer und umweltbedingter Natur. Als größte Minderheitsgruppe weltweit werden ihre Bedürfnisse und Rechte oft übersehen (HI, 2025; Antidiskriminierungsbüro, 2024). Dies ist auch an der RUB deutlich zu erkennen: Während ein defekter Aufzug für viele Studierende eine kleine Unannehmlichkeit darstellt, kann er für Rollstuhlfahrer eine unüberwindbare Barriere darstellen und ihre Teilnahme am Campusleben stark einschränken.

Damit Studierende mit Behinderung nicht nur aktiv am Hochschulleben teilnehmen können, sondern auch die gleichen Rechte und Informationen erhalten wie alle anderen Studierenden, hat die RUB 2023 die Inklusionsstrategie für Studium und Lehre entwickelt. Ziel dieser Strategie ist es, die RUB zu einer offenen und transparenten Universität für alle Mitglieder der Gemeinschaft zu machen - unabhängig von ihren individuellen Bedürfnissen.

Die Strategie der RUB basiert auf folgenden Grundsätzen:

Zugänglichkeit
Alle Bereiche der Universität - von Gebäuden über digitale Angebote bis hin zur Kommunikation - sollen barrierefrei für Menschen mit Behinderung gestaltet werden.
Teilnahme
Studierende mit Behinderung werden aktiv in Entscheidungsprozesse einbezogen, um sicherzustellen, dass ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden.
Bewusstseinsbildung
Durch Schulungen und Veranstaltungen fördert die RUB das Bewusstsein für die Herausforderungen und Rechte von Menschen mit Behinderung.
Individuelle Betreuung
Studierende mit besonderen Bedürfnissen erhalten individuell zugeschnittene Unterstützung, um Hindernisse im Studium zu überwinden.
person on a wheelchair playing basketball

Inklusion von Studierenden mit Rollstühlen

Studierende im Rollstuhl zählen zur Gruppe der Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die laut DZHW (2021, S. 14) als „Einschränkungen beim Gehen, Stehen und Greifen“ definiert sind. Für sie bedeutet Inklusion an der RUB nicht nur den Abbau physischer Barrieren, sondern auch die Gewährleistung sozialer und akademischer Teilhabe.

Die RUB setzt sich im Rahmen ihrer Inklusionsstrategie dafür ein, Barrieren abzubauen und notwendige Unterstützung zu bieten. Konkret gehört dazu:

Zugänglichkeit von Gebäuden
Rampen, Aufzüge und automatische Türöffner in Lehrgebäuden und Seminarräumen.
Barrierefreie Infrastruktur
Bibliotheken, Mensen und andere zentrale Einrichtungen sind barrierefrei gestaltet.
Assistierende Technologien
Bereitstellung technischer Hilfsmittel zur Erleichterung der Teilnahme an Lehrveranstaltungen.
Individuelle Betreuung
Spezielle Beratungsangebote, Ausgleichsmaßnahmen und Peer-Mentoring.

Ein Bericht des DZHW (2021, S. 10) zeigt, dass 96 % der Studierenden mit Behinderung Beratung zu verschiedenen Themen benötigen. Barrierefreiheit ist entscheidend, um eine gleichberechtigte Teilhabe am akademischen Leben zu gewährleisten. Darüber hinaus haben Studierende mit sichtbaren Beeinträchtigungen deutlich häufiger einen Behinderungsgrad über 50 (DZHW, 2021, S. 27). Dies unterstreicht die Bedeutung gezielter Maßnahmen, wie im Dokument dargelegt Ausgewählte Maßnahmen zur Umsetzung der Inklusionsstrategie (Projektphase 2).

highlighting students with degree
person going through an upward slope with his wheelchair

Lücken und Herausforderungen der Inklusion von RollstuhlfahrerInnen an der RUB.

Die RUB beschreibt ausführlich ihre Strategie zur Förderung der Inklusion von Studierenden und Beschäftigten mit Behinderungen innerhalb der Universität. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der Bereitstellung digitaler Informationen und der Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen für Studierende mit Behinderungen. Diese Strategie basiert auf verschiedenen in Deutschland geltenden Standards und Gesetzen, wie der UN-BRK, dem Sozialgesetzbuch IX (SGB IX), dem Hochschulgesetz (HG), dem Inklusionsgrundsatzgesetz (IGG) und anderen.

Betrachtet man jedoch das Geflecht dieser Standards und die Beziehungen der an der Inklusionsstrategie beteiligten Institutionen untereinander, wird deutlich, dass die Umsetzung der Inklusiven Hochschule noch Lücken aufweist. Insbesondere die Herausforderungen von RollstuhlfahrerInnen erfordern eine erhöhte Aufmerksamkeit.

Eingebettete Barrierefreiheit

Die Inklusive Universität RUB besteht aus einem komplexen Geflecht aus Gesetzen, Standards und beteiligten Akteuren bzw. Institutionen. Die Umsetzung inklusiver Strategien und Pläne ist daher herausfordernd, da der Entscheidungsprozess von den Beziehungen und Einflussmöglichkeiten der einzelnen Institutionen abhängt.
Transparenz und Zugänglichkeit

Die bestehenden Initiativen zeigen, dass sich die RUB für Inklusion einsetzt, aber in der praktischen Umsetzung besteht noch Verbesserungsbedarf. Transparenz bedeutet nicht nur, Informationen bereitzustellen; sie ist ein Grundpfeiler dafür, dass Rollstuhlfahrer gleichberechtigt am Campusleben teilnehmen können, indem sie wissen, welche Ressourcen verfügbar sind und wie sie darauf zugreifen können.
Umfangreiche Infrastruktur

Die Angebote für Studienanfänger mit Behinderung haben sich vor und nach der Pandemie verändert. Früher wurden Orientierungstouren angeboten, um Rollstuhlfahrern barrierefreie Wege auf dem Campus zu zeigen. Diese werden aufgrund mangelnden Interesses nicht mehr angeboten. Zudem gibt es keine zentrale Datenbank zur barrierefreien Infrastruktur an der RUB, was die Nachverfolgung und Weiterentwicklung dieser Infrastruktur erschwert.
Verkörperung von Standards

Insgesamt zeigt die RUB deutliche Bemühungen, eine barrierefreie Umgebung zu schaffen. Allerdings konzentriert sich die Strategie vor allem auf digitale Barrierefreiheit und Ausgleichsmaßnahmen, während die physische Infrastruktur, wie Aufzüge, Rampen und Gebäudeeingänge, nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Sichtbar im Collapse

Dinge, die für viele zur alltäglichen Infrastruktur gehören, können für andere eine weitaus größere Bedeutung haben. Die Verbesserung der Informationsversorgung für Rollstuhlfahrer bleibt eine Herausforderung, die durch begrenzte Ressourcen und Personalmangel erschwert wird. Wird die Initiative mit den Aufklebern jedoch realisiert, wäre dies ein wichtiger Schritt zur Förderung der Inklusion von Rollstuhlfahrern an der RUB.
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Und jetzt …

Natürlich kann eine Strategie nicht in kurzer Zeit umgesetzt und sofort als erfolgreich oder gescheitert bewertet werden. Dieser Prozess erfordert einen längeren Zeitraum und das Engagement aller Mitglieder der Universitätsgemeinschaft, um ihn umzusetzen.

Wenn wir über Inklusion sprechen, müssen zahlreiche Intersektionalitäten berücksichtigt werden. Diversität bezieht sich daher nicht nur auf Aspekte wie Rasse, kultureller Hintergrund oder Geschlecht, sondern umfasst auch andere Dimensionen wie Behinderung.

Nun liegt es an uns, auf die Herausforderungen von Menschen mit Behinderung, darunter auch Rollstuhlfahrer, an der RUB aufmerksam zu machen und sie zu unterstützen.
people united on something