Methodik

Unser Ansatz

Diese Datastory basiert auf einer ethnographischen Nutzerstudie der Universitätsbibliothek Bochum, durchgeführt im Zeitraum Oktober 2024 bis Januar 2025. 

Wir möchten betonen, dass unsere Studie nur einen spezifischen Ausschnitt der Bibliotheksnutzung zeigt und nicht alle Perspektiven abbilden kann. Wir erheben mit unserer Studie keinen Anspruch, universalistische und verallgemeinernde  Aussagen über die Nutzung und den Betrieb der Universitätsbibliothek auszusprechen.

Forschungsinteresse und Zielsetzung

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Nutzung, Wahrnehmung und soziale Dynamik innerhalb der zentralen Universitätsbibliothek der Ruhr-Universität Bochum (UB) zu untersuchen. 

Aus unserer Sicht stellt die UB das Herzstück des Campus dar. Sie fungiert als Dreh-und Angelpunkt für die Studierenden der Ruhr-Universität als auch Nicht-Studierenden und spielt eine essenzielle Rolle im Hochschulleben.

Im Fokus stehen insbesondere die Fragen, wie Studierende die Universitätsbibliothek als Lern- und Begegnungsraum wahrnehmen, welche Routinen und Interaktionen sich in diesem Kontext entwickeln. 

Die Untersuchung soll dazu beitragen, die UB als sozialen und physischen Raum in ihrer Nutzung und Bedeutung differenzierter zu verstehen.

Datenerhebung

Die Datenerhebung erfolgte mittels qualitativer Interviews auf Basis eines leitfadengestützten Ansatzes. Der Leitfaden umfasste vier Hauptblöcke:

  1. Lernmethoden und persönliche Routinen
  2. Wahrnehmung und Nutzung der Räume
  3. Interaktion und soziale Dynamik
  4. Digitale Angebote und Verbesserungspotenzial

Zu Beginn der Interviews wurde das Forschungsprojekt vorgestellt, und den Teilnehmenden wurde ein allgemeiner Einstieg ermöglicht. Am Ende des Gesprächs hatten die Befragten die Gelegenheit, zusätzliche Anmerkungen zu machen. Abschließend wurden sie für ihre Teilnahme bedankt und verabschiedet. Zudem waren die Fragen alle offen formuliert, um die Befragten nicht einzuschränken, möglichst detaillierte Antworten zu erhalten und um eine individuelle Meinung der Befragten zu erhalten (empirio, 2023). 

Die Befragungen fanden anonymisiert und einvernehmlich statt, durchgeführt von einem einzelnen Interviewer (Student der Sozialwissenschaften). Die studentischen Interviewpartner wurden nach dem Prinzip der Gelegenheitsstichprobe ausgewählt (Ritschl 2016, S.63). Dies bedeutet, dass nur Studierende die sich in der zentralen Universitätsbibliothek der Ruhr-Universität Bochum aufhielten und sich für ein Gespräch bereit erklärten befragt wurden. 

Insgesamt wurden 15 Interviews erfolgreich abgeschlossen. Die Anzahl der Interviews wurde so gewählt, dass eine erste explorative Analyse verschiedener Nutzungsperspektiven möglich war. Eine theoretische Sättigung wurde nicht angestrebt, sondern vielmehr ein breites Spektrum an Eindrücken erfasst. Die Interviews geben einen Einblick in individuelle Perspektiven und Erfahrungen, erheben jedoch keinen Anspruch auf Repräsentativität für die gesamte Nutzer:innenschaft der Bibliothek. Dies liegt insbesondere an der begrenzten Stichprobengröße (N = 15) und der gezielten Auswahl der Teilnehmenden. Dennoch liefern die Ergebnisse wertvolle Anhaltspunkte und dienen als Grundlage für weiterführende Forschungsfragen und Diskussionen.

Die Studie konzentriert sich auf die Erfahrungen und Perspektiven der Nutzer:innen der Bibliothek, um ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, wie diese die Bibliothek als Lern- und Arbeitsraum wahrnehmen. Die Sichtweisen des dort tätigen Personals standen dabei nicht im Mittelpunkt, da der Fokus bewusst auf den Nutzer:innen lag. Die Sichtweisen des Personals wären aber ein möglicher Ansatzpunkt für weiterführende Forschung in diesem Gebiet.

Die Auswertung der Interviews erfolgte mit dem Analyse-Tool MAXQDA, das zur Kodierung und systematischen Interpretation der Daten genutzt wurde. Dabei wurden zu Beginn der Analyse auf deduktive Methoden gesetzt. Das heißt, die Kodierung erfolgte zu Beginn anhand festgelegter Kategorien, die sich an den vier Hauptblöcken des Interviewleitfadens orientierten. Diese wurden durch Subcodes ergänzt, die zu einem großen Teil induktiv, also direkt aus den Daten, entstanden sind. Die Hauptkategorien spiegelten thematische Schwerpunkte wie ‚Physische Nutzung der Bibliothek‘, ‚Digitale Nutzung‘, ‚Wahrnehmung der Infrastruktur‘ und ‚Herausforderungen im Bibliotheksalltag‘ wider. Der Kodierungsprozess beinhaltete das systematische Markieren relevanter Textpassagen, die den Codes in MAXQDA zugeordnet wurden. Die Kategorien wurden im Team reflektiert und durch gegenseitige Überprüfung der Kodierungen validiert. Im weiteren Verlauf der Analyse wurden die Interviews mithilfe der Codes und der Suchfunktion des Programms durchsucht, um spezifische Daten gezielt aufzurufen. Basierend auf den kodierten Textstellen wurden anschließend die Geschichten der einzelnen Nutzer*innen herausgearbeitet. Dabei haben wir festgehalten, welche Räume von den Interviewten genutzt wurden und welche spezifischen Benutzerprofile sie aufweisen. Dieser Ansatz ermöglichte es, individuelle Nutzungsmuster und Bedürfnisse sichtbar zu machen und gleichzeitig übergreifende Muster und Gemeinsamkeiten zwischen den Nutzer:innen zu identifizieren. Aus dieser Analyse sind dann unsere Geschichten zu den verschiedenen Räumen der Bibliothek entstanden.

Unterstützend zu unseren eigenen Erhebungen benutzen wir Kennzahlen, an denen wir den Wandel der Bibliothek im Laufe der Zeit fest machen. Diese Daten stammen von der Deutschen Bibliotheksstatistik (DBS), dort werden statistische Daten deutscher Bibliotheken dokumentiert und veröffentlicht. Diese Daten sollen unseren Leser:innen einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen.

Data Walks

Im Rahmen sogenannter Data Walks erkundeten die Sozialwissenschaftler im 1. Teil des Seminars in Kleingruppen die zentrale Universitätsbibliothek auf dem Campus der Ruhruniversität Bochum (UB). Diese Methode der Feldbeobachtung dient dazu, die Umgebung und Nutzung der UB besser zu verstehen.

Data Walks regen durch physische Merkmale der Umgebung Erinnerungen und Reflexionen an, die Forschenden helfen, die Forschungsumgebung als sozialen und physischen Raum zu begreifen (Prost et al., 2023: 2437 f.). Diese spontanen und lebendigen Eindrücke wurden in Form von Memos festgehalten und an die Dozentin Estrid Sørensen weitergeleitet.

Quellen

  • Deutsche Bibliotheksstatistik (DBS). (2010–2023). Deutsche Bibliotheksstatistik. https://www.bibliotheksstatistik.de/ (Letzter Aufruf am 20.01.2025)
  • Helfferich, C. (2019). Leitfaden- und Experteninterviews. In N. Baur & J. Blasius (Hrsg.), Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung (S.669–685). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-21308-4_44
  • Kuckartz, U., & Rädiker, S. (2023). Datenanalyse mit MAXQDA: Ein Handbuch für die computergestützte qualitative Forschung. Springer VS.
  • Mainka, A., Orszullok, L., & Stallmann, A. (2012). Bibliotheken in digitalen und physischen Räumen informationeller Weltstädte. Information – Wissenschaft & Praxis, 63(4), 241–251. https://doi.org/10.1515/iwp-2012-0052
  • Ninnemann, K. (2018). Innovationsprozesse und Potentiale der Lernraumgestaltung an Hochschulen: Die Bedeutung des dritten Pädagogen bei der Umsetzung des „Shift from teaching to learning“. Waxmann Verlag.
  • Prost, S., Ntouros, V., Wood, G., Collingham, H., Taylor, N., Crivellaro, C., Rogers, J., & Vines, J. (2023). Walking and talking: Place-based data collection and mapping for participatory design with communities. In Proceedings of the 2023 ACM Designing Interactive Systems Conference (DIS ’23) (S. 2437–2452). Association for Computing Machinery. https://doi.org/10.1145/3563657.3596054
  • Ritschl, V., Stamm, T. (2016). Stichprobenverfahren und Stichprobengröße. In: Ritschl, V., Weigl, R., Stamm, T. (eds) Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben. Studium Pflege, Therapie, Gesundheit . Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-49908-5_5
  • Rotzal, T., & Schuh, D. (2016). Grundlagenlehre: Bibliotheken als Vermittler wissenschaftlicher Arbeitstechniken, Werte und Normen. o-bib, 3(4), 61–74. https://doi.org/10.5282/o-bib/2016H4S61-74
  • Stang, R., & Becker, A. (2020). Zukunft Lernwelt Hochschule: Perspektiven und Optionen für eine Neuausrichtung. De Gruyter Saur. https://doi.org/10.1515/9783110653663
  • Stang, R., Petschenka, A., Gläser, C., & Becker, A. (2021). Der physische Raum im Kontext der Digitalisierung: Perspektiven für Lehr- und Lernraumkonstellationen an Hochschulen. In Digitalisierung in Studium und Lehre gemeinsam gestalten: Innovative Formate, Strategien und Netzwerke (S. 301–316). https://library.oapen.org/bitstream/handle/20.500.12657/51481/1/9783658328498.pdf#page=316
  • Warzecha, M. (2023). Offene vs. geschlossene Fragen: Definition, Vor- und Nachteile und Unterschiede. Empirio. https://www.empirio.de/empiriowissen/offene-geschlossene-fragen (Letzter Aufruf am 25.01.2025)
  • Zimmerman, B. J. (2002). Becoming a self-regulated learner: An overview. Theory into Practice, 41(2), 64–70.