Schlussworte, Informationen zum Projekt und Über uns

Schlussworte

Unsere Data Story hat durch verschiedene Ebenen der Kunst auf dem Campus geführt. Anfangs wurde in Form der Bildergalerie betrachtet, welche verschiedenen Arten von Kunst und anderen Verschönerungen alltäglich auf dem Campus zu entdecken sind. Im Anschluss an diese Alltagsperspektive haben wir uns vertiefend mit der Kunst am Bau auseinandergesetzt. Mithilfe der Übersicht, die uns von Dezernat 5 zur Verfügung gestellt wurde, sind verschiedene Visualisierungen entstanden, die einen Überblick über bestimmte Merkmale der Kunstwerke ermöglichen, diese jedoch nur im Aggregat betrachten. Schließlich sind wir noch tiefer in die Geschichten hinter den Kunstwerken eingetaucht und haben dabei mehr über Themen wie Wandel, Aneignung und Identität gelernt. Diese Einblicke haben sich uns erst durch die spannenden und aufschlussreichen Gespräche mit unseren Interviewpartner*innen eröffnet.

Was immer wieder deutlich wird, ist, dass die öffentliche Kunst auf dem Campus der RUB verschiedene Akteure und Perspektiven zusammenführt. Sicherheitsbedenken und bautechnische Fragestellungen treffen auf wissenschaftliche Interessen und Aneignung und Veränderung seitens der Campus-Nutzenden. Selbstautorisierte treffen auf institutionalisierte Kunst-Räume, wissenschaftliche auf alltägliche Perspektiven. Diese Beobachtungen zeigen, dass bei der Produktion öffentlicher (Kunst-)Räume verschiedene Ebenen der Wahrnehmung, Planung und Aneignung miteinander interagieren, sich gegenseitig beeinflussen und auch in Konflikt miteinander stehen können, wie in Lefebvres Theorie der Produktion von Raum beschrieben.

Die verschiedenen Teile unserer Data Story machen jedoch nicht nur diese unterschiedlichen Blickwinkel auf die Kunst am Bau auf, sondern zeichnen auch unseren eigenen Forschungsprozess nach.


Zeitstrahl: Ablauf des Projektes

zeitstrahl

Phase 1: April - Juli 2024 - Zugang zum Thema und Forschungsfeld

In der ersten Phase unseres Projektes haben wir (Lili und Lynn) zunächst das Thema der öffentlichen Kunst auf dem Campus ausgewählt und uns einen ersten praktischen und konzeptuellen Zugang zum Forschungsfeld verschafft.

Folgende Methoden haben wir in dieser Phase des Projektes verwendet:

Data Walks und Beobachtungsprotokolle:

Data Walks sind eine Methode, bei der eine bestimmte Forschungsumgebung mit einem besonderen Fokus auf digitale Daten zu Fuß erkundet wird. Diese Methode ermöglicht es den Teilnehmenden, eigene Erfahrungen innerhalb dieser Umgebung in Verbindung zu strukturellen Themen zu bringen und auch Daten zu erzeugen, die dominanten Diskursen über den erkundeten Raum widersprechen (Prost et al., 2023, S. 2438). Im Zuge des Data Walks entstandene Karten, Foto-, Audio- und Videoaufnahmen können dabei als “boundary objects” (ebd.) dienen.

Bei unserem ersten Data Walk haben wir zunächst nach verschiedenen Kunstwerken auf dem Campus gesucht und haben viele Fotos gemacht, die teils in die Bildergalerie auf der Startseite eingeflossen sind. Zudem haben wir Beobachtungsprotokolle geschrieben, in denen wir unsere Eindrücke und Fragen festgehalten haben. Im weiteren Verlauf der ersten Phase des Projektes haben wir auch weitere Data Walks durchgeführt und beispielsweise die Graffiti-Freifläche besucht.

Karte und Fotos

Eine Karte mit eingezeichneter Laufroute, Fotos und Schlagwörtern zu unseren Eindrücken, die wir nach unserem ersten Data Walk erstellt haben.

Lektüre konzeptueller und empirischer Literatur:

Außerdem haben wir angefangen, wissenschaftliche Literatur zu unserem Themenbereich zu lesen, um relevante empirische und konzeptuelle Bezüge zu unserem Projekt auszumachen und eine Fragestellung zu entwickeln. Die empirische Literatur, die wir gesichtet haben, setzt sich beispielsweise mit der Funktion öffentlicher Kunst an Universitäten auseinander (vgl. Grenier, 2009; Hards/Vaughan/Williams, 2014; Pedrabissi, 2015) oder betrachtet Graffiti als eine Form der Aneignung öffentlichen Raumes (vgl. Erman, 2023). Auf der anderen Seite haben wir uns auch auf konzeptueller Ebene mit öffentlichem Raum und Raumproduktion (vgl. Zieleniec, 2018) sowie der Rolle von Kunst im öffentlichen Raum (vgl. Helmstetter, 2022; Kwon, 2002; Lewitzky, 2005) auseinandergesetzt.

Am Ende dieser ersten Phase des Projektes stand die Fragestellung, wie öffentliche Kunsträume an der RUB entstehen, welche wir mit dem Konzept der Raumproduktion von Lefebvre verbinden wollten. Dies war der Ausgangspunkt für die zweite Phase des Projektes, die Datenerhebung.

Phase 2: August - Oktober 2024 – Planung und Durchführung der Datenerhebung

In der zweiten Phase unseres Projektes haben wir dann nach passenden Formen der Datenerhebung für unser Projekt gesucht. Um mehr über die Prozesse hinter der Errichtung, Erhaltung und Veränderung der öffentlichen Kunst auf dem Campus zu erfahren, erschien es uns am sinnvollsten mit verschiedenen Expert*innen auf diesem Gebiet zu sprechen.

Folgende Methode haben wir in dieser Phase des Projektes verwendet:

Leitfadengestützte Expert*inneninterviews:

Bei Expert*inneninterviews geht es in der Regel darum, spezifisches Rollenwissen der Interviewten über ihren persönlichen Arbeitsbereich zu erfahren. Dafür bieten sich leitfadengestützte Interviews an, die gleichzeitig im Sinne des eigenen Forschungsinteresses strukturiert sind, jedoch auch offene Fragen und Erzählaufforderungen enthalten (Helfferich, 2014, S. 570ff).

Zunächst haben wir für uns relevante Gesprächspartner*innen identifiziert und diese per E-Mail kontaktiert. Im Zeitraum vom 05.09. bis zum 17.10. haben wir dann fünf Gespräche mit insgesamt acht Personen geführt und außerdem eine schriftliche Auskunft von einer Person erhalten. Die Gespräche waren zwischen 25 und 75 Minuten lang und wurden von uns mit dem Einverständnis der Interviewten aufgezeichnet. Die Interviews wurden anhand von zuvor entwickelten individuellen Leitfäden geführt, welche vor allem darauf ausgerichtet waren, zu erfahren, welche Rolle die öffentliche Kunst auf dem Campus für die Interviewten in ihrer jeweiligen Tätigkeit spielt und welche Aufgaben und Perspektiven sie diesbezüglich haben.

Phase 3: Oktober 2024 – Januar 2025 - Datenauswertung und Entwicklung der Data Story

In der dritten Phase unseres Projektes ging es dann darum, die erhobenen Daten auszuwerten und in Form einer Data Story darzustellen. In dieser Phase haben wir zu viert mit Tom und Jenny zusammengearbeitet.

Folgende Methoden haben wir in dieser Phase des Projektes verwendet:

Codesystem

Ein Einblick in einige Übercodes aus unserem Code-System in MAXQDA.

Visualisierung quantitativer Daten:

Die von Dezernat 5 bereitgestellte Übersicht haben wir in Form einer PDF erhalten und zunächst in eine Excel-Tabelle überführt. Anschließend ging es darum, interessante Visualisierungen aus den vorhandenen Daten zu entwickeln. Dafür haben wir das kostenlose Online-Tool Flourish verwendet, mit dem sich schnell unterschiedliche Visualisierungen umsetzen lassen. Wir sind explorativ vorgegangen und haben verschiedene Visualisierungsformen ausprobiert. Dafür haben wir teils auch selbst Kategorisierungen der Daten vorgenommen, z.B. bei den Materialien und den Standorten der Kunstwerke, die wir zu Gruppen zusammengefasst haben.

Codierung und Analyse von Interview-Transkripten:

Unser Interviewmaterial haben wir transkribiert und anschließend mithilfe des Programmes MAXQDA analysiert. Dabei haben wir mit offenem Codieren gearbeitet (vgl. Breidenstein, 2013, S. 145ff). Wir haben die Interviews genau gelesen und unterschiedliche inhaltliche Codes vergeben. Dabei haben wir (Lili und Lynn) versucht, ein gemeinsames Code-System über alle Interviews zu entwickeln. Die Codes zielen vor allem darauf ab, Verbindungen zwischen den Interviews zu identifizieren und Prozesse, Konflikte und Narrative zu entdecken, die für unsere Fragestellung besonders relevant sind. Diese Codes haben wir gemeinsam besprochen und aus ihnen die verschiedenen Geschichten entwickelt, die auf unserer Campus-Karte zu finden sind.


Über uns

Wir sind Tom Reißmann, Jennifer Altman, Lynn Werner und Lilian Donner - vier Studierende der RUB, die gemeinsam im Wintersemester 2024/25 an dem Forschungsseminar “Digitale Methoden und kritische Datenforschung” teilgenommen haben. Zwei von uns (Lili und Lynn) sind Studentinnen der Sozialwissenschaft. Wir haben uns im vorangegangenen Semester inhaltlich mit dem Thema Outdoor-Kunst auf dem Campus beschäftigt und dies mit dem Konzept der Produktion von Raum von Lefebvre verknüpft. In diesem Semester sind Tom und Jenny als Studierende der Angewandten Informatik dazugekommen, die uns bei der Untersuchung unseres Themas und der Darstellung der Forschungsergebnisse in Form dieser Data Story unterstützen.

Unsere Dozierenden sind Prof. Dr. Estrid Soerensen und Mace Ojala, bei denen wir uns genauso bedanken wollen, wie bei unseren Interviewpartner*innen bei der Stadt Bochum, den Kunstsammlungen der RUB, dem Musischen Zentrum, dem Dezernat 5 (Bau- und Gebäudemanagement), der Denkmalpflege des LWL und dem kunstgeschichtlichen Institut.